Politische Bildung für junge Berufseinsteiger – warum? wie? Wo?

von Toni Lenhart - Foto: Wertebündnis

Stiftung Wertebündnis Bayern bringt Kultusminister Piazolo und Vertreter der Gesellschaft ins Gespräch über politische Bildung für junge Berufseinsteiger.

Politische Bildung und die Entwicklung von Demokratiebewusstsein sind nicht nur ein schulischer Bildungsauftrag, sondern eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe.

Aktuelle Tendenzen zeigen immer deutlicher, dass Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft gefordert sind. Vor diesem Hintergrund holte die Stiftung Wertebündnis Bayern Entscheidungsträger für den Bereich der Bildung aus Politik, Wirtschaft und Verwaltung zusammen und lud am 29.11.2018 zur Veranstaltung „Politische Bildung für junge Berufseinsteiger – warum? wie? wo?“ ins Haus der Bayerischen Wirtschaft ein. Gemeinsam mit den Teilnehmerinnen und Teilnehmern wurden Impulse für die politische Bildung junger Menschen, speziell in der Übergangsphase zum Berufseinstieg, gesetzt.

Die Referenten diskutierten nach ihren Vorträgen nicht nur miteinander sondern auch mit den Teilnehmern der Veranstaltung.

So ist Kultusminister Prof. Dr. Michael Piazolo überzeugt: „Unsere Gesellschaft braucht junge Menschen, die stark in ihrer Persönlichkeit und in ihren Wertvorstellungen sind – gerade mit Blick auf gesellschaftliche Herausforderungen wie Digitalisierung und Extremismus!“

Aus Sicht eines DAX-Konzerns formulierte Thomas Leubner, Global Chief Learning Officer von Siemens, seine Erwartung an die Schule. Politisches Handeln bedeute Interessenausgleich. Dasselbe gelte für wirtschaftliches Handeln. Diese Handlungskompetenz sei der Schlüssel für das Verständnis von Politik und Wirtschaft.

Prof. Dr. Ursula Münch, Direktorin der Akademie für Politische Bildung Tutzing, plädierte für die Methode der Simulation als Königsdisziplin, um den Interessenausgleich praktisch einzuüben.

Das Unternehmen MEKRA Lang investiert in das Wertebündnis-Projekt „mehrWERT Demokratie“, um seinen Auszubildenden politische Bildung durch praktische Anwendung zu ermöglichen, wie Elisabeth Döbler-Scholl, Mitglied der Geschäftsleitung, deutlich machte. Für kleine Handwerksbetriebe ist es deutlich schwieriger, für ihre wenigen Azubis ein solches Angebot zu schaffen. Im Laufe der Veranstaltung wurde deshalb die Idee geboren, auf kleine Handwerksbetriebe in der Region zuzugehen und ihnen die Teilnahme ihrer Azubis an „mehrWERT Demokratie“ anzubieten.

Dr. Jürgen Stammberger, Geschäftsführer des Bayerischen Schullandheimwerks und damit Projektträger von „mehrWERT Demokratie“ betonte, dass das Projekt individuell auf die Bedürfnisse der jeweiligen Unternehmen und ihrer Auszubildenden zugeschnitten werden kann.

Und die junge Zielgruppe, um die es geht, zeigte sich kämpferisch: „Wir wollen ernst genommen werden, auch wenn für uns im Alter von 14 politische Bildung nicht oberste Priorität hat“ sagte Petra Michalovics, Teilnehmerin am Wertebündnis-Projekt „mehrWERT Demokratie“. Christian Stahl, Auszubildender bei MEKRA Lang, ergänzte: „Ich habe gelernt, dass Demokratie nicht selbstverständlich ist und verteidigt werden muss.“

Max Schmidt, Vorstandsvorsitzender der Stiftung Wertebündnis Bayern, zog das Fazit: Wir brauchen ein gesamtgesellschaftliches Bekenntnis, dass politische Bildung und Wertebildung nicht weniger wichtig sind als fachliche Inhalte in beruflichen Schulen. Mit einem engen Schulterschluss von Unternehmen und Politik kann eine Stärkung der politischen Bildung gelingen. Unternehmen, die das nicht nur als gesellschaftliches Engagement sehen, sondern die auch den Mehrwert für ihr Unternehmen öffentlich betonen – wie das MEKRA Lang und Siemens getan haben – sind wertvolle Unterstützer für mehr politische Bildung an allen Schularten in Bayern!