Unterfränkischer Realschulpreis am 28.4.2026

Die feierliche Veranstaltung des 20. Unterfränkischen Realschulpreises wurde vom Ministerialbeauftragten von Unterfranken, Herrn Marcus Ramsteiner, eröffnet. Gleich zu Beginn wurden zahlreiche Ehrengäste aus Politik, Wirtschaft, Schule und Gesellschaft begrüßt und für ihr Kommen gewürdigt. Eine besondere Freude war es, Frau Dr. Modesto als Vertreterin des Staatsministeriums für Unterricht und Kultus willkommen zu heißen. Dabei wurde insbesondere das Engagement für Bildung sowie die Unterstützung der Schülerinnen und Schüler hervorgehoben.

Ein großer Dank galt außerdem allen Beteiligten und Organisatoren, ohne die die Veranstaltung nicht möglich gewesen wäre – darunter Vertreter aus Verbänden, Unternehmen, Behörden und der gesamten Schulgemeinschaft.

Im Mittelpunkt standen die Schülerinnen und Schüler, die für ihre besonderen Leistungen und ihr Engagement ausgezeichnet wurden. Ihre Projekte waren aus zahlreichen Bewerbungen ausgewählt und nach Kriterien wie Innovation, Nachhaltigkeit und Aufwand bewertet worden. Insgesamt wurden 18 Preise in verschiedenen Kategorien vergeben, darunter Umwelt, Soziales, Kunst, Sport und Vielseitigkeit.

Die Veranstaltung wurde mit einer feierlichen Preisverleihung verglichen, die an eine Oscar-Verleihung erinnerte – geprägt von Spannung, Anerkennung und besonderen Momenten. Alle Preisträger erhielten neben ihren Preisen auch eine von Schülern gestaltete Trophäe, auf die die Veranstalter besonders stolz waren: Sie wurde von Schülerinnen und Schülern der Schule aus Dettelbach im Magaspace selbst entworfen und hergestellt.

Abschließend wurde die besondere Bedeutung des Abends betont: die Würdigung von Engagement, Talent und gemeinschaftlicher Leistung.

Im Anschluss wurde zu einer Talkrunde auf die Bühne gebeten, die unter dem Thema „Zukunft der digitalen Gesellschaft und Rolle der Realschule“ stand.

An der Gesprächsrunde nahmen Frau Dr. Modesto aus dem Kultusministerium, Landrat im Landkreis Haßberge Herr Schneider, Herr Kirchner als Vertreter der Wirtschaft, der Landes- und Bezirksschülersprecher Antonio Ferreira Barrozo sowie Ministerialbeauftragter Ramsteiner teil. Gemeinsam diskutierten sie über die Entwicklung der digitalen Gesellschaft und die Rolle des Bildungssystems – insbesondere der Realschule. Die Runde war als offenes Dialogformat gestaltet und verband grundlegende Perspektiven mit persönlichen Einschätzungen der Teilnehmenden.

Zu Beginn wurde betont, wie stark sich die digitale Gesellschaft seit dem Jahr 2000 verändert hatte. Vor allem soziale Medien und technologische Entwicklungen prägten zunehmend den Alltag sowie Bildungsprozesse. Ziel der Talkrunde war es, diese Veränderungen einzuordnen und daraus Perspektiven für Schule und Gesellschaft abzuleiten.

Ein zentraler Schwerpunkt lag auf der Bedeutung der Realschule. Frau Dr. Christina Wessel hob hervor, dass die Realschule eine besonders breite Bildungsbasis biete. Sie bereite nicht nur auf konkrete Berufsbilder vor, sondern halte auch viele Wege offen – sowohl für eine qualifizierte Ausbildung als auch für weiterführende schulische Laufbahnen.

Besonders betont wurden:
• die praxisnahe Ausbildung,
• die Vielfalt an Wahlpflichtfächergruppen (z. B. wirtschaftlich oder naturwissenschaftlich-technisch),
• sowie die Anschlussmöglichkeiten bis hin zum beruflichen Gymnasium.

Auch aus Sicht der Wirtschaft wurde die Realschule sehr positiv bewertet. Vertreter aus Unternehmen berichteten, dass Realschulabsolventinnen und -absolventen aufgrund ihrer soliden fachlichen Grundlagen, ihrer Motivation und ihrer sozialen Kompetenzen sehr gefragt seien. Unternehmen profitierten davon, gezielt geeignete Nachwuchskräfte auswählen zu können.

Landrat Wilhelm Schneider unterstrich die hohe Bedeutung der Realschulen für die Region. Mit einem Anteil von nahezu 40 % der Schülerinnen und Schüler stellten sie einen wesentlichen Bestandteil des Bildungssystems dar. Entsprechend hoch sei auch die Bereitschaft des Landkreises gewesen, in Ausstattung und Infrastruktur zu investieren. Besonders hervorgehoben wurde die enge und erfolgreiche Zusammenarbeit zwischen Schulträgern, Lehrkräften und der gesamten Schulfamilie.

In einer anschaulichen Analogie wurde die Realschule mit einem Film verglichen. Dabei wurde deutlich: Sie war weder ein „Low-Budget-Projekt“ noch ein klassischer „Blockbuster“, sondern vielmehr ein eigenständiges, leistungsfähiges Format mit großer gesellschaftlicher Relevanz. Ihre Stärke lag in der Verbindung von Praxisnähe, Allgemeinbildung und individueller Förderung.

Die Landesschülervertretung wurde durch den Landesschülersprecher repräsentiert, der die Aufgaben und Verantwortung dieses Amtes erläuterte. Dazu gehören:
• die Vertretung der Interessen der Schülerinnen und Schüler gegenüber dem Kultusministerium,
• die Mitwirkung an bildungspolitischen Entscheidungen,
• sowie die Kommunikation mit Öffentlichkeit und Medien.

Dabei wurde betont, wie wichtig es sei, unabhängig und im Sinne aller Schülerinnen und Schüler zu handeln.

In einer zweiten, kürzeren Diskussionsrunde ging es um Zukunftsvisionen. Dabei wurden verschiedene Aspekte hervorgehoben:
• Digitalisierung im Unterricht (z. B. interaktive Tische oder vernetzte Lernumgebungen),
• die Bedeutung von Innovation und Technik,
• sowie Teamarbeit als zentrale Kompetenz für die Arbeitswelt.

Gleichzeitig wurde deutlich gemacht, dass keine dieser Komponenten isoliert betrachtet werden könne – vielmehr müssten sie sinnvoll zusammenspielen.

Ein besonders prägnanter Beitrag kam von Frau Dr. Modesto, die den Blick auf die Verbindung von Tradition und Innovation richtete. Sie betonte, dass Schule zwar realitätsnah bleiben müsse, gleichzeitig aber offen für neue Technologien sein solle.

Dabei fiel der zentrale Satz:
„Ich möchte mich beim Landeselternverband bayerischer Realschulen bedanken, denn auch dieser hat auf eigene Kosten einen Avatar angeschafft für die Realschulen.“

Sie erklärte weiter, dass diese Avatare – kleine Roboter – es erkrankten Schülerinnen und Schülern ermöglichten, weiterhin am Unterricht teilzunehmen. Dieses Beispiel verdeutlichte eindrucksvoll, wie moderne Technologien sinnvoll in den Schulalltag integriert werden konnten.

Gleichzeitig sprach sie sich dafür aus, bewährte Strukturen wie Lehrpläne und feste Rahmenbedingungen beizubehalten, sofern sie regelmäßig überprüft und angepasst würden.

Zum Abschluss wurde die Diskussion persönlicher. Die Teilnehmenden reflektierten ihre eigenen Schulzeiten und zeigten, wie unterschiedlich Bildungswege verlaufen konnten. Dabei wurde deutlich, dass Schule weit mehr ist als reine Wissensvermittlung – sie prägt Persönlichkeiten und fördert soziale Entwicklung.

Fazit
Die Talkrunde zeigte eindrucksvoll, dass die Realschule eine zentrale Rolle im Bildungssystem einnahm. Sie verband Theorie und Praxis, bot vielfältige Entwicklungsmöglichkeiten und war sowohl für die Wirtschaft als auch für die Gesellschaft von großer Bedeutung.

Zugleich wurde klar:
Die Zukunft der Schule lag in der Balance zwischen Innovation und bewährten Strukturen – getragen von engagierten Lehrkräften, moderner Ausstattung und einer engen Zusammenarbeit aller Beteiligten.

Im Anschluss folgte die Preisverleihung:

Die Kategorie „Umwelt“ stellte Projekte vor, die Umweltbewusstsein und nachhaltiges Handeln förderten. Am Beispiel des Films Avatar wurde die Bedeutung des Naturschutzes verdeutlicht. Besonders hervorgehoben wurde ein Schulprojekt, bei dem ein umgebauter Airstream-Anhänger als mobiles Außenlabor diente. Schülerinnen und Schüler konnten dort eigenständig Experimente durchführen, Umweltproben analysieren und praktische Erfahrungen sammeln – sowohl auf dem Schulgelände als auch in der Umgebung.

Das Projekt hatte großes Engagement erfordert: Sponsoren wurden gewonnen, Handwerker eingebunden, Genehmigungen organisiert und bauliche Maßnahmen umgesetzt. Es verband praktische und digitale Lernmethoden und bezog alle Jahrgangsstufen ein. Gleichzeitig förderte es Kompetenzen in den MINT-Fächern sowie in Bereichen wie Wirtschaft und Recht.

So entstand ein innovativer Lernort, der Forschergeist, Selbstständigkeit und Verantwortungsbewusstsein stärkte – ein zukunftsweisendes Projekt, das verdient den ersten Platz erhielt.

Die nächste Rede würdigte das Engagement von Schülerinnen und Schülern im sozialen Bereich. Im Mittelpunkt standen Verantwortung, praktisches Handeln und gemeinschaftlicher Einsatz – nicht nur reden, sondern aktiv etwas bewegen.

Beim Wettbewerb im Bereich „Soziales“ erhielt den ersten Platz ein Projekt, bei dem Schülerinnen und Schüler Senioren im Umgang mit Smartphones unterstützten. Mit Geduld und Respekt erklärten sie Technologien, bauten Berührungsängste ab und schufen echte Verbindungen zwischen den Generationen. Aus einer anfänglichen Idee war ein nachhaltiges Projekt mit regelmäßigen Treffen entstanden.

Insgesamt zeigte die Rede: Soziales Engagement, Verantwortung und Zusammenarbeit sind entscheidend für eine starke Gemeinschaft – und junge Menschen leisten dazu einen wichtigen Beitrag.

Der nächste Abschnitt leitete zur Kategorie „Kunst und Musik“ über und würdigte die musikalische Umrahmung der Veranstaltung, unter anderem durch ein Schulorchester und eine Schulband. Anschließend wurde ein besonders herausragendes Projekt ausgezeichnet.

Die Schülerinnen und Schüler einer 8. Klasse hatten über ein Jahr hinweg intensiv und fächerübergreifend (u. a. in Kunst, Religion, Deutsch, Musik und Geschichte) an einem kreativen Projekt gearbeitet. Dabei entstanden Skulpturen, Keramik, eine Broschüre sowie ein digitaler Rundgang. Inhaltlich setzten sie sich mit der Geschichte eines Ortes und grundlegenden Lebensfragen auseinander.

Das Ergebnis war ein künstlerisch gestalteter Weg, auf dem Besucher Kunstwerke entdecken, Führungen erleben und selbst hergestellte Produkte erwerben konnten. Das Projekt erzielte große Wirkung: Es zog zahlreiche Besucher an, machte Geschichte erlebbar und wurde zusätzlich digital zugänglich gemacht.

Besonders hervorzuheben war, dass die Einnahmen von 1000 Euro für einen guten Zweck gespendet wurden.

Insgesamt zeigte das Projekt eindrucksvoll, was durch Kreativität, Teamarbeit und Engagement möglich ist.

In der Kategorie Sport wurde ein außergewöhnliches Projekt mit dem ersten Platz ausgezeichnet. Im Mittelpunkt stand dabei nicht der klassische Wettkampfsport, sondern die Verbindung von Bewegung, Bildung und Persönlichkeitsentwicklung.

Die Schülerinnen und Schüler hatten sich über einen Zeitraum von zehn Monaten intensiv auf eine mehrwöchige Bergtour vorbereitet. Dazu gehörten Ausdauer- und Sicherheitstraining, Wanderungen sowie theoretische Inhalte wie Orientierung, Kartenlesen und biologische Grundlagen. Auch Themen wie Kostenplanung und GPS-Navigation wurden behandelt.

Während der 28-tägigen Tour legten die Teilnehmenden täglich lange Strecken zurück und übernachteten bewusst einfach, um Selbstständigkeit zu fördern und ein intensives Naturerlebnis zu ermöglichen.

Das Projekt beeindruckte durch seinen ganzheitlichen Ansatz: Es vermittelte nicht nur sportliche Fähigkeiten, sondern auch Teamarbeit, Planungskompetenz und einen respektvollen Umgang mit der Natur.

Insgesamt stellte es eine innovative Alternative zu klassischen Schulsportangeboten dar und zeigte, wie Schule weit über den Unterricht hinaus wirken konnte.

In der Kategorie „Vielseitigkeit“ wurden Schülerinnen und Schüler ausgezeichnet, die sich in besonders vielen Bereichen engagiert hatten. Insgesamt gab es vier Preisträger, da Vielfalt hier besonders gewürdigt wurde.

Ein herausragender Schüler erhielt den ersten Platz, da er ein außergewöhnlich breites Engagement zeigte. Im technischen Bereich digitalisierte er Schulbücher, organisierte den Klassenalltag und unterstützte Mitschüler im Umgang mit digitalen Medien. Zudem leitete er eine Lerngruppe und einen Programmierkurs, in dem praxisnahe Programme wie Lernspiele oder Passworttests entstanden, die der gesamten Schulgemeinschaft zugutekamen.

Auch bei Schulveranstaltungen übernahm er Verantwortung, etwa bei der Organisation einer Jubiläumsfeier. Darüber hinaus war er zum Schülersprecher gewählt worden, was sein Engagement und das Vertrauen der Schulgemeinschaft unterstrich.

Außerhalb der Schule war er ebenfalls aktiv, engagierte sich in seiner Gemeinde und übernahm soziale Verantwortung.

Insgesamt zeichnete ihn eine besondere Kombination aus technischem Können, sozialem Engagement, Verantwortungsbewusstsein und Zuverlässigkeit aus – was ihn zu einem verdienten Gewinner machte.

Zum Abschluss der Veranstaltung wurden zwei Sonderpreise verliehen, die besonders kreative und außergewöhnliche Projekte würdigten, die in keine der bisherigen Kategorien passten.

Der erste Sonderpreis ging an ein Projekt zum Thema Erinnerungskultur in Würzburg. Im Mittelpunkt standen die sogenannten „Stolpersteine“, die an Menschen erinnerten, die während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt worden waren. Schülerinnen und Schüler recherchierten deren Lebensgeschichten und machten sie wieder sichtbar.

Ein wichtiger Bestandteil war eine digitale App, die historische Informationen mehrsprachig zugänglich machte (u. a. auf Deutsch, Englisch und Hebräisch). Das Projekt entstand in Zusammenarbeit mit einer israelischen Partnerstadt und ermöglichte so einen internationalen Austausch.

Dabei ging es nicht nur um Geschichte, sondern auch um aktuelle Themen wie Antisemitismus, Verständigung und friedliches Zusammenleben. Besonders hervorzuheben war, dass Jugendliche mit unterschiedlichen kulturellen Hintergründen gemeinsam daran arbeiteten.

Das Projekt war fest im Schulalltag verankert: Verschiedene Jahrgangsstufen beschäftigten sich auf unterschiedliche Weise mit dem Thema – von Recherche über Gedenkarbeit bis hin zu Besuchen historischer Orte.

Insgesamt förderte das Projekt Erinnerung, Dialog und gegenseitiges Verständnis und leistete damit einen wichtigen Beitrag für die Zukunft.

Der zweite Sonderpreis würdigte ein zukunftsorientiertes Technikprojekt der Robotik-Gruppe der Realschule Marktheidenfeld mit dem Namen „Saubär“.

Zum Abschluss der Veranstaltung bedankte sich Herr Ministerialbeauftragter Marcus Ramsteiner bei allen Beteiligten, Organisatoren, Unterstützern sowie bei den Schülerinnen und Schülern für ihr beeindruckendes Engagement und lud alle Gäste herzlich zu einem anschließenden Stehempfang ein.

Der Landeselternverband bayerischer Realschulen gratuliert allen Gewinnern herzlich zu ihren großartigen Leistungen und wünscht weiterhin viel Erfolg.